BBM

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Un/Heimat.

Vom Samstag, dem 27. Mai 2017 (Vernissage) bis zum 10. September 2017 zeigt BBM e.V. an ausgewählten Wochenenden und während der gesamten Elbelandpartie von 11-19 Uhr künstlerische Arbeiten und historische Dokumente, die sich kritisch mit dem Begriff der „Heimat“ auseinandersetzen.

Die Ermittlung zum Heimat-Gefühl beginnt exakt 100 Meter vor der Haustür von BBM e.V., an der Elbe auf Buhne 497, die ein beliebter Flucht-Ort in den Westen war.

“Un/Heimat” thematisiert die Erfahrung von Heimat und Heimatverlust. Es fragt danach, ob der im Dritten Reich kontaminierte Begriff „Heimat” in Zeiten intensiver Migration für demokratische Ziele wieder gewonnen werden soll – und wiedergewonnen werden kann.

Die Ausstellung kreist daher um die Frage, wie zeitgemäß der Begriff “Heimat” zur Beschreibung aktueller gesellschaftlicher Phänomene ist. Muss Heimat nicht immer zusammen mit dem Wort “Unheimat” (Viktor Mazin) gelesen werden, das mit Verweis auf Sigmund Freuds Konzept des Unheimlichen die Störung des Wohlgefühls und der Zugehörigkeit einzubeziehen versucht?

Das Flüchten vor unzumutbaren Zuständen, Gewalt und Verfolgung ist kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Schon immer waren Menschen in ihrer Heimat in Gefahr, standen unter politischem, wie wirtschaftlichem Druck und mussten deswegen migrieren.

Am Beispiel der Prignitz zeigt das Projekt exemplarisch den Wandel eines Ortes, der zunächst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensiv be- und entsiedelt, resp. unfreiwillig verlassen wurde (aus dem man flüchtete) und der – nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, und ein weiteres Mal nach dem Ende des sog. „Kalten Krieges“ – Ort der Zuflucht (Ziel von längerer Fluchtbewegung) wird.

Die dünn besiedelte Prignitz war seit je her eine Gegend, die immer wieder durch katastrophale Umstände (Pest, Dreißigjähriger Krieg etc.) entleert und hernach durch politische Entscheidungen (mit Fremden) neu besiedelt wurde. Sie sollte also ein Platz mit besonders hohem Bewusstsein für die Herausforderungen von Migration und Integration sein. Sie stellt sich durch ihre Geschichte als einen Ort dar, der immer wieder von Fremden mit neuen Inhalten und Identitäten aufgeladen wurde.

Wie reagiert man im Fall von Flucht und Vertreibung auf einen Verlust von nahezu existenzieller Größe, wo einem nicht viel mehr als das nackte Leben bleibt, alle “Habe” verloren ist? Was bedeutet in Bezug auf die eigene Identität eine Dekonstruktion aller Verhältnisse, unter denen einem bisher das Leben als “lebenswert” erschien?

Wie und mit wem schafft man einen offenen, “autonomen”, dynamischen Ort, in dem der Neuentwurf, die Zukunft ausprobiert werden kann?

“Un/Heimat: Bilder, Texte, Töne“ führt uns durch ein teils düsteres, dann wieder witzig hell-leuchtendes Panorama einer gefühlsmäßigen Verortung: woher komme ich und wie fühle ich mich dort? Wieviel von mir steckt in diesem Platz, den ich Heimat nenne und wieviel Eigenleben führt der Ort, der auf mich energetisch wirkt, mich auflädt? Wohin fließt die positive, woran entlädt sich die negative Spannung? Wird das „Eigene“ durch das „Fremde“ bedroht oder wird es in aller Schönheit und Bedeutung erst in der Konfrontation mit dem Anderen sichtbar? Welchen „Wert“ hat Heimat und können wir auch ganz ohne sie auskommen? Ist „Heimat“ nur etwas sentimental-retrospektiv Erfahrbares oder ist damit auch eine Zukunftsperspektive verbunden?

VERNISSAGE:
Samstag, 27. Mai: um 15 Uhr, danach Führung, Sandra Kuttner & Olaf Arndt.
Sonntag, 28. Mai: um 15 Uhr, danach Führung, Sandra Kuttner & Olaf Arndt.

ÖFFNUNGSZEITEN ZUR ELBELANDPARTIE 2016:
Samstag, 3. Juni: 11–19 Uhr (Führung: 15-16 Uhr)
Sonntag, 4. Juni: 11–19 Uhr (Führung: 15-16 Uhr)
Montag, 5. Juni: 11–19 Uhr (Führung: 15-16 Uhr)

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Das BBM e.V. ist ein gemeinnütziger Verein für Kunst, Kultur und Denkmalpflege. Weitere Öffnungszeiten entnehmen Sie bitte unserer Website: BBM

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Bild: ©2016 Sandra Kuttner, Berlin.